DISPUT 02/2013, S. 2 - VOR-GELESEN VON DAGMAR ENKELMANN:
DIE LINKE ist auf einem guten Weg, antwortet meine Fraktionskollegin Eva Bulling-Schröter in diesem DISPUT auf die Frage, wie grün die Roten heute sind. Sie selbst gehört zu denen, die sich auf den Weg machten – von der Metall-Betriebsrätin zur weithin anerkannten Umweltpolitikerin. Wenn ich gefragt werde, wo denn die »grünen« Köpfe der LINKEN seien, verweise ich stets auch auf Eva. Wie vielfältig DIE LINKE inzwischen ökologisch präsent und vernetzt ist, zeigt dieses DISPUT-Heft überzeugend: Wir kümmern uns nicht nur um klassische Themen wie Energiewende, Klimaschutz und Bio-Landwirtschaft, sondern zum Beispiel auch um erhaltenswerte Kulturlandschaften in den Weinbaugebieten.
All das gehört in den von uns zu recht so intensiv diskutierten »Plan B« für eine ökologisch-soziale Umgestaltung. Energienetze und Energiekonzerne zu entflechten, zu regionalisierenund zu kommunalisieren, den Bürgernechte Mitsprache zu verschaffen– ohne das geht es nicht, aber es reicht nicht aus. Auch Vattenfall ist staatseigen. Wer zum Beispiel einen unerträglichen und unbezahlbaren Riesenflughafen wie den künftigen BER verhindern will, muss auch sagen,wie Mobilität anders gehen kann – finanzierbar, umweltverträglich und erschwinglich für jede und jeden. Wir brauchen beides: grüne Köpfe und grüne Konzepte.
[Gesamte Disput-Ausgabe Februar 2013]
Man hätte die Wahlkampf-Uhr danach stellen können: Kaum stand der 22. September als Termin für die Bundestagswahl fest, stieg der erste Versuchsballon gegen Die Linke auf. Keine Frage: 20 Jahre nach der Einheit würde eine »Rote-Socken«-Kampagne altbacken wirken, und mit der Frage nach dem SED-Vermögen kann mannicht einmal mehr im Bundestag punkten. Die unguten Machenschaften der Geheimdienste dagegen sind in allerMunde – und von dem Punkt an mußten nur noch die Begriffe Gysi, Stasi, Staatsanwalt und Immunität irgendwie zusammengebracht werden. Von sich aus fügen die Medien gern den Satz hinzu, daß – um staatsanwaltliche Ermittlungen zu ermöglichen – die Immunität des Abgeordneten aufgehoben wurde. Fertig ist die Story, die Gysi-Story...
[Junge-Welt-Beitrag vom 13.03.2013]
In einem Gastbeitrag für die "Potsdamer Neuesten Nachrichten" (PNN), Ausgabe vom 6.12.2012, fordert Dagmar Enkelmann sofortige Aktivitäten der Landesregierung für ein striktes Flugverbot am BER zwischen 22 Uhr und sechs Uhr. „Herr Platzeck, nehmen Sie den Willen der Bürgerinnen und Bürger ernst!“, schreibt Dagmar Enkelmann in dem Beitrag. Der Erfolg des Volksbegehrens für ein umfassendes Nachtflugverbot rühre auch aus dem – gescheiteren – Versuch, die Anwohner um Lärmschutz zu bringen. Wer das Ergebnis unter den Tisch fallen lasse, so Enkelmann weiter, „steuere in einen gesellschaftlichen Großkonflikt ähnlich Stuttgart 21. Das sollte und kann sich eine rot-rote Landesregierung nicht leisten.“
[Gastbeitrag von Dagmar Enkelmann in PNN]
Liebe Leserinnen, liebe Leser
einen Flickenteppich von Reformen haben wir seit der Regierungszeit von Kanzler Gerhard Schröder (SPD), sagt in dieser clara-Ausgabe der Präsident der Volkssolidarität, Prof. Gunnar Winkler: Arbeitsmarktreform, Gesundheitsreform, Pflegereform. Seitdem passiere pausenlos hier eine Veränderung, da eine Veränderung, aber nichts sei aus einem Guss. Jetzt, wo die Wahlen vor der Tür stehen, werde wahrscheinlich viel geredet, aber am Ende sei man wieder beim Flickenteppich.
Ich finde, Prof. Winkler hat Recht. Stichwort Arbeitsmarkt... [mehr...]
[ganze Clara Nr. 25 lesen];
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"War es »Liebe auf den ersten Blick«, die PDS und WASG im Juni 2007 zusammengebracht hat? Ganz sicher nicht. Der Vereinigung beider Parteien ging ein längerer Prozess voraus.
Hatte sich die PDS insbesondere durch Zunahme kommunalpolitischer Verantwortung, vergleiche dazu Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in Brandenburg 2003, aus der Krise 2002/2003 herausgearbeitet – von bundespolitischem Gewicht war sie weit entfernt. Als nicht nur die PDS, sondern auch die erst wenige Monate alte WASG 2005 bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen deutlich den Einzug ins Landesparlament verfehlten und Neuwahlen zum Bundestag entschieden waren, mussten die Gespräche, die seit März zwischen beiden Parteien liefen, in eine neue Richtung gelenkt werden. Damit wurde die Zeit mehr als eng...
[Gesamter Beitrag von Dr. Dagmar Enkelmann in "DISPUT", Mai 2012]
[Weitere Infos zu "DISPUT"]
mk. BERLIN, 11. Mai. In der Linkspartei geht man selbst nicht mehr davon aus, am Sonntag in den Landtag von Nordrhein-Westfalen gewählt zu werden. Nach der zu erwartenden Niederlage wird die bis dahin von der Parteiführung mit Erfolg unterdrückte Personaldebatte vermutlich mit umso größerer Wucht einsetzen. Am Freitag sprach sich die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, Dagmar Enkelmann, dafür aus, Dietmar Bartsch, den bislang einzigen Kandidaten, zum Parteivorsitzenden zu wählen. Eine Rückkehr von Oskar Lafontaine sei das falsche Signal im Richtungsstreit der Partei, sagte Frau Enkelmann dieser Zeitung. [mehr...]
(aus der MAZ vom 20.04.2012): Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Bundestagsfraktion, Dagmar Enkelmann, hat jetzt Zweifel geäußert, ob die Delegierten des Wahlparteitags Anfang Juni in Göttingen eine souveräne Entscheidung treffen können. „Für mich ist die Zeitspanne zwischen NRW-Wahl und Parteitag viel zu kurz“, sagte Enkelmann der MAZ in Potsdam. Der Partei sei nach dem krankheitsbedingten Rückzug Lafontaines aus der Bundespolitik 2009 eine Führungsmannschaft nach dem Motto „friss oder stirb“ vorgesetzt worden. „Das darf es nicht noch einmal geben.“ Enkelmann kritisierte gegenüber der MAZ auch die derzeitigen, nach dem krankheitsbedingten Rückzug Lafontaines aus der Bundespolitik 2009 installierten Führungsstrukturen. Das Modell mit zwei Bundesgeschäftsführern halte sie für „gescheitert“. Auch die Installierung von zwei getrennten Parteibildungsbeauftragten Ost/West halte sie bei einer Partei, die zusammenwachse, für einen Fehler. „Darüber müssen wir reden, bevor wir die Posten neu besetzen.“
(Gesamter MAZ-Beitrag vom 20.04.2012)
Parteispenden transparenter, aber immer noch undemokratisch
Von Dagmar Enkelmann, 1. Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag
Vor zehn Jahren, am 19. April 2002, verabschiedete der Bundestag ein überarbeitetes Parteiengesetz. Es sollte Konsequenzen aus der damaligen CDU-Schwarzgeldaffäre ziehen, in die Unionspolitiker wie Helmut Kohl, Roland Koch, Walther Leisler Kiep und der heutige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verwickelt waren. Ende der 1990er Jahre war die illegale Spendenpraxis der CDU öffentlich geworden. Über Jahrzehnte hinweg waren "schwarze Konten" geführt worden, wo man Parteispenden "parkte", unter anderem Millionenspenden des Waffenkonzerns Thyssen. Ex-Kanzler Kohl weigert sich bekanntlich bis heute, die Namen der Spender zu nennen. Wirkliche Aufklärung also gleich Null. [mehr...]
Dagmar Enkelmann kommentiert in der "jungen welt" vom 17. April 2012 die Debatte um das Rederecht im Bundestag
Plötzlich will es keiner gewesen sein. Geschäftig rudern vor allem Union und SPD von den von ihnen maßgeblich initiierten Änderungen in der Geschäftsordnung des Bundestages zurück. Ein Maulkorb für kritische Abgeordnete, sogenannte »Abweichler«, und das Aus für mündliche Erklärungen zur Abstimmung? Das alles sei nie geplant gewesen und ja noch gar nicht mit den Fraktionen abgestimmt. Man werde sich Zeit nehmen und den Konsens suchen, tönt es nun. [mehr...]
Der „VSA: Verlag Hamburg“ und die Kommunalakademie der Rosa Luxemburg Stiftung haben jetzt in der Reihe Crashkurs Kommune den Band „Gegen Nazis sowieso.“ herausgegeben, den ich Euch hiermit sehr ans Herz lege. Es geht darin u.a. um lokale Strategien gegen Rechts, um Rechtspopulismus und Rechte in kommunalen Gremien.
Dagmar Enkelmann
Weitere Infos zum Band „Gegen Nazis sowieso.“ bei dem „VSA: Verlag Hamburg“ und der Rosa Luxemburg Stiftung
Im Mitteldeutschen Verlag kam dieser Tage ein neues Buch über die erste frei gewählte Volkskammer heraus: "Spontaneität war das Gebot der Stunde". Die Autorin Nicole Glocke porträtiert darin drei Abgeordnete der 1990 gewählten Volkskammer der DDR, darunter Dagmar Enkelmann.
Wie die anderen beiden Abgeordneten - Rolf Schwanitz und Burkhard Schneeweiß - spricht Dagmar Enkelmann in dem Buch offen über ihre familiären und beruflichen Wurzeln, ihre sich daraus ergebende Politisierung und ihre Motive, für das neue Parlament zu kandidieren.
"Spontaneität war das Gebot der Stunde"; 240 S.; ISBN 978-3-89812-898-8; Preis: 14,95 Euro, auch im Online-Shop des Verlages bestellbar;
[Rezension von Petra Pau in ND-Buchmessebeilage, 14.03.2012]
[Rezension bei literaturmarkt.de]
Liebe Leserinnen, liebe Leser
was wäre Ihr persönliches »Rettungspaket«? Eine ordentliche Gehaltserhöhung oder eine feste Stelle nach dem x-ten Leihjob? Oder mehr Rente? Oder keine Mieterhöhung oder eine ordentliche Schule für ihre Kinder? Ihre Wünsche werden sich so oder so bescheiden ausnehmen – verglichen mit den unvorstellbaren Milliardensummen und Stabilitätsfonds, die den Euro retten sollen. Ja, wir sind bescheiden geworden angesichts von Finanzkrise und allgegenwärtigem »Sparen«. Von Maßhalten ist bei Banken, Zockerfonds und Reichen allerdings nichts zu spüren. Sie verdienen prächtig an der Krise, ihre Geschäfte laufen so gut wie lange nicht. Wie kann das sein? Wer gewinnt, wer verliert beim Pokerspiel der Finanzmärkte? clara ist diesen Fragen nachgegangen... [mehr...]
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Berlin (dapd). Für eine verfassungsgemäße Hartz-IV-Neuregelung ist nach Auffassung der Linksfraktion eine Erhöhung des Regelsatzes um mindestens 33 Euro erforderlich. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken im Bundestag, Dagmar Enkelmann, verwies am Dienstag in Berlin auf eine entsprechende Berechnung des Statistischen Bundesamtes, die von ihrer Fraktion in Auftrag gegeben worden sei.
Die Wiesbadener Behörde errechnete demnach einen Regelsatz von 392 Euro, wenn die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts berücksichtigt würde, die sogenannten verdeckt Armen aus der Bezugsgruppe herauszurechnen. Dabei geht es um Haushalte, deren Einkommen unterhalb der Hartz-IV-Leistungen einschließlich Unterkunftskosten liegt, die aber dennoch nicht über die Mindestsicherung aufstocken. Die Bundesregierung will den Hartz-IV-Regelsatz für Erwachsene von derzeit 359 Euro um 5 Euro erhöhen. «Wir sagen voraus, dass auch die Neuregelung vor dem Bundesverfassungsgericht nicht Bestand haben wird», zeigte sich Enkelmann sicher.
Ein nach dem tatsächlichen Bedarf berechneter Hartz-IV-Satz ohne Tricksereien bei der Berechnungsgrundlage müsste laut Linksfraktion sogar 509 Euro betragen.
An diesem Mittwoch kommt im Bundesrat erstmals offiziell der Vermittlungsausschuss zusammen, nachdem die Länderkammer vor Weihnachten dem neuen Hartz-IV-Gesetz die Zustimmung verweigert hatte. Bislang hatte sich eine informelle Bund-Länder-Arbeitsgruppe mit den künftigen Regelsätzen für Erwachsene und dem Bildungspaket für Kinder befasst. Die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Hartz-Reform tritt nach einer Einigung rückwirkend zum 1. Januar 2011 in Kraft.
dapd/jas/fgr /3 181309 Jan 11
Von Dr. Dagmar Enkelmann
Vor einem Jahr zog Die LINKE mit 76 Abgeordneten in den Bundestag ein. Sechzehn hatten ihren Wahlkreis direkt gewonnen, die weitaus größere Zahl sogar außerhalb Berlins. Das war ein Novum seit 1990 und ein erheblicher Vertrauensbeweis der Wählerinnen und Wähler.
In der neuen Fraktion sind erstmals alle Bundesländer mit mindestens einem Abgeordneten vertreten. Es findet sich ein bunter Querschnitt der Gesellschaft wieder: Studenten, Gewerkschafter, Aktivisten aus sozialen Bewegungen und Verbänden, Ältere und Jüngere, Ost und West. Und: Die Frauen sind in der Mehrheit.
Es galt, all diese unterschiedlichen Sichtweisen und Herkünfte produktiv zu machen. Neu ist auch, dass die Fraktion drei Ausschussvorsitze innehat: Arbeit und Soziales, Umwelt sowie — wie bereits in der 16. Wahlperiode — Petitionen.
Im Oktober 2009 legte die Fraktion einen guten Start hin. Sie beschloss ein 10-Punkte-Programm: Abzug aus Afghanistan, gute Arbeit, soziale Sicherheit, armutsfeste Alterssicherung, gerechte Finanzierung der Krisenfolgen, Verteidigung der Grundrechte und Durchsetzung der Energiewende sollten die Schwerpunkte der LINKEN in den kommenden Wochen und Monaten sein. [mehr...]

Dagmar Enkelmann als Mitautorin an Buch des Eulenspiegel Verlags
Im von Peter Sodann herausgegebenen Buch "Schlitzohren und Halunken" schrieb auch Dagmar Enkelmann drei Beiträge. Mit Fakten, aber auch Satire werden Politiker und Firmenchefs, Lobbyisten und Promis aufs Korn genommen. Dagmar Enkelmann berichtet über "Mehdorns Pudel" alias Norbert Hansen, beschreibt den "Motzfaktor" des Thilo Sarrazin und erzählt die Geschichte von der "roten Schwan", die zweifach bei der Wahl zum Bundespräsidenten scheiterte und somit nicht dazu beitrug, dass sich die SPD "wie ein Phönix aus der Asche" erhob."
Neben den bereits genannten "Schlitzohren und Halunken" geht es auch um den "Totalversager", den "Hochwohlgeborenen", den "vorbestraften Reformer Dr.honoris causa", den "Jesus von Berlin" oder "Frau Roth, ihre Käppchen und eine Stadt voller Zwerge". Wer sich hinter diesen Pseudonymen versteckt soll der Leser aber selbst herausfinden...
Für diejenigen, die Interesse am "Almanach der Missetaten" haben: ISBN: 978-3-359-02247-3; Preis: 12,95€
Eigenverlag, 1. Auflage, Bernau 2009
Das Buch kann auch über die Wahlkreisbüros von Dagmar Enkelmann in Bernau (Bürgerzentrum, Berliner Str. 17, 16321 Bernau)und in Strausberg ("LinksTreff", Wallstr. 8, 15344 Strausberg) brieflich bestellt werden. Dagmar Enkelmann bittet für das Buch um eine Spende. Diese kann in Briefmarken an die Wahlkreisbüros in gesandt werden. Der Geldwert der Briefmarken wird dann von Frau Enkelmann in den Spendentopf eingezahlt.
Mit den Spenden werden Ferienfahrten von Kindern unterstützt, deren Familien Ferienaufenthalte ihrer Kindern nicht leisten können. Ein Spendenempfänger ist z.B. Frischluft Barnim e.V.
Krieg bringt keinen Frieden
Von Dr. Dagmar Enkelmann
Ob Kosovo, Irak oder nun Südossetien- immer gilt: Krieg und militärische Gewalt haben solche Konflikte noch nie dauerhaft gelöst oder einer Lösung auch nur näher gebracht. Und immer dürfen die Völker mit ihren Opfern, Verlusten an Leib und Seelen, die machtpolitischen Ambitionen der Politiker ...
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Koalition mit Scheuklappen
Für SPD-Chef Kurt Beck ist die LINKE immer noch die »so genannte« – populistisch, fundamental oppositionell und eigentlich nicht koalitionsfähig. In der Realität allerdings geht das Gespenst der regierungstauglichen LINKEN um.
Kürzlich ließ ein SPD-Abgeordneter den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages penibel nachzählen, wie die Linksfraktion im Hohen Haus abgestimmt hat. Heraus kam: Seit Ende 2005 haben die Regierungsfraktionen mehr als 550 Anträge und Initiativen eingebracht, bei über der Hälfte dieser Vorlagen hat die LINKE zugestimmt oder sich der Stimme enthalten.
Für die Beck-SPD ist das ein augenscheinlich überraschendes Ergebnis. Wer sich aber schon länger ernsthaft mit der parlamentarischen Arbeit der PDS und jetzt der LINKEN auseinandersetzt, dem bestätigt die Fleißarbeit des Wissenschaftliches Dienstes nur die Grundhaltung der LINKEN: Wir lehnen Anträge und Initiativen anderer demokratischer Parteien nicht schon deswegen ab, weil deren Parteiname drauf steht.
Eine solche ideologische Scheuklappe wäre der LINKEN fremd. Für uns gehört es zum Grundverständnis eines respektvollen Umgangs der demokratischen Parteien miteinander, Vorschläge sachlich und fachlich zu prüfen. Wirkliche Demokratie, die bekanntlich Volksherrschaft bedeutet, lebt von Vielfalt und von einer lebendigen Debatte, bei der Abgeordnete sich eine eigene Position bewahren, weder gefügige Abnickmaschinen eines Regierungsapparats noch dessen Gegner aus purem Prinzip sind.
Leider lassen unsere politischen Kontrahenten eine solche Einstellung vermissen. So haben die Regierungsfraktionen von Union und SPD im Bundestag bisher sämtliche über 200 Anträge und Initiativen, die von der LINKEN eingebracht wurden, abgelehnt. Dazu gehörten Vorschläge für einen gesetzlichen Mindestlohn, für Energie-Sozialtarife, Heizkostenzuschüsse, höheres Kindergeld, deutlich mehr Hartz IV, steigendes Wohngeld, eine ermäßigte Mehrwertsteuer auf Medikamente und gegen Renten-Abschläge für Langzeitarbeitslose. Alle Anträge waren durch seriöse Finanzierungsvorschläge gestützt.
Die pauschale Ablehnung hinderte CDU und SPD aber nicht daran, die Anliegen der LINKEN später ungeniert aufzugreifen, um – wie bei Energie-Sozialtarifen oder Managergehältern – Ankündigungen in die Welt zu setzen oder – wie bei der Rente mit 67 – teilweise zurückzurudern oder aus der für Eltern beitragsfreien Kinderbetreuung einen kommenden Wahlkampfschlager zu machen.
Gegen Abschreiben hat die LINKE nichts. Sie wird aber dafür sorgen, dass Wählerinnen und Wähler nicht vergessen, wer unter Rot-Grün und Rot-Schwarz die Armen ärmer und die Reichen reicher machte und macht, und nun wortreich-populistisch die Folgen dieser Politik beklagt.
Mitte September kommt die nächste Stunde der parlamentarischen Wahrheit. Dann wird erneut der Antrag der LINKEN auf der Tagesordnung stehen, die Pendlerpauschale wieder in ihrer alten Form einzusetzen, um Millionen Bürgerinnen und Bürger kurzfristig und schnell angesichts hoher Spritkosten zu entlasten. Auf das Votum vor allem der CSU- und SPD-Abgeordneten darf man gespannt sein.
gretchenfrage
Sag mir, wie hältst du es mit ... dem Prager Frühling?
1968 gab es nicht nur im Westen. Im Gegensatz zu den jungen, kapitalismusfrustrierten und revolutionshungrigen Studierenden im Westen formierte sich in Prag eine generationenübergreifende Reformbewegung. Tausende Menschen zeigten in ihrem Denken und Handeln, dass ein Sozialismus nicht ohne Demokratie und Transparenz möglich ist. Sie haben sich dafür stark gemacht, dem sozialistischen Alltag in der Tschechoslowakei wieder ein menschliches Antlitz zu geben. Bedenklich für die gesamte Geschichte des Realsozialismus ist allerdings, dass dieser Erneuerungsbewegung kein Raum gegeben und die junge Pflanze eines demokratischen Reformsozialismus mit Gewalt zertreten wurde.
Dranbleiben, Schwerpunkte setzen, Gerechtigkeit einfordern
Von Dr. Dagmar Enkelmann
Der Aufschwung käme bei immer mehr Menschen an, hatte die Bundeskanzlerin kürzlich auf dem CDU-Parteitag in Hannover verkündet. Von der Bedeutung des Wortes „mehr“ muss Angela Merkel eine seltsame Auffassung haben. Denn trotz des Aufschwungs hält nur eine kleine Minderheit von 15 Prozent der Bürger die derzeitigen wirtschaftlichen Verhältnisse für gerecht. Das ergab eine repräsentative Erhebung zum Thema «Soziale Gerechtigkeit», deren Ergebnis die nun wirklich nicht linkslastige Bertelsmann-Stiftung Anfang Dezember veröffentlichte.
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